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Die Geschichte vom Käse-Igel

Die Geschichte vom Käse-Igel
Gleich gibt’s einen leckeren Kaffee in gemütlicher Runde: Wolfgang Esser, Ellen Kaspers und Helmut Woerner (von links) unterstützen das Café Vergissmeinnicht. FOTO: Uli Rentzsch
Viersen. Ja, Demenz ist ein komplexes Thema – ein äußerst schwieriges Thema. Dabei ist es eine große Hilfe, wenn man sich mit Betroffenen und deren Angehörigen austauschen kann. Ein Ort, wo dies in aller Ruhe bei gleichzeitiger Gemütlichkeit geschehen kann, ist das Café Vergissmeinnicht im Rahser-Treff in Viersen. Von Ulrich Rentzsch

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Auf einmal weiß Oma nicht mehr die Namen ihrer Kinder und Enkel. „Woher kommen diese Kinder?“, fragt sie vielleicht. Die Familie ist betroffen, weiß in der ersten Zeit nicht, wie sie mit der an Demenz erkrankten Großmutter umgehen soll.

Das Café Vergissmeinnicht wurde im August 2012 vom Verein „Gemeinsam“ ins Leben gerufen. „Gemeinsam“ ist ein im Pflegedienst ASB/ Gemeinsam organisierter Verein. Vorsitzender ist Wolfgang Esser. „In unserem Café können sich Betroffene mit ihren Angehörigen völlig ungezwungen treffen, um Kontakt zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen oder einfach nur, um die Geselligkeit zu genießen“, sagt er.

Inzwischen findet das Café an jedem ersten und jedem dritten Donnerstag im Monat, jeweils ab 15 Uhr, im Rahser-Treff an der Dechant-Stroux-Straße 15 statt. Begleitet wird das Café von Ellen Kaspers und Bernd Giese vom Verein „Gemeinsam“. Die beiden organisieren auch das Oster-, Oktober- und Weihnachtsfest. Betroffene und Angehörige nehmen außerdem an den Bus-Ausflügen des Vereins „Gemeinsam“ teil.

Und was hat das jetzt mit dem Käse-Igel zu tun? „Das war eine Idee aus einem der letzten Treffen“, erzählt Ellen Kaspers, „da waren die 70er Jahre das Thema. Natürlich hat man sich auch an die Käse-Igel erinnert, die es fast auf jeder Party gab. Nächstes Mal haben wir auch einen Käse-Igel.“ Das zeigt: Man spricht im Café Vergissmeinnicht nicht nur über Demenz. Alle Tische werden zusammengerückt: An der großen Tafel nehmen dann alle am Gespräch teil.

Unterstützt wird das Café von Diplom-Gerontologe Helmut Woerner (LVR). Er erinnert vor allem an Alleinstehende, die an Demenz erkrankt sind: „Wer hier neu in die Gruppe kommt, wird nicht ausgegrenzt, sondern integriert.“ Er appelliert, einen ganz natürlichen Umgang mit Demenz zu pflegen. Natürlich sollte geklärt werden, am besten im Diagnoseverfahren einer Gedächtnissprechstunde, ob eine Demenz, eine Altersvergesslichkeit oder eine Depression vorliegt.

Zum Café Vergissmeinnicht sind alle eingeladen.

(Report Anzeigenblatt)