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Radtour zum Kloster Kamp

Radtour zum Kloster Kamp
Stufig angelegt führt der Garten hinauf zur Klosterkirche.
Niederrhein. Der wunderschöne barocke Terrassengarten von Kloster Kamp soll das Vorbild für den legendären Park von Schloss Sanssouci in Potsdam gewesen sein. Soweit die Legende. Die besagt, der damals noch junge „Alte Fritz“, also der preußische König Friedrich I., reiste einst von Straßburg zum Schloss Moyland, weil er sich dort mit seinem Freund Voltaire treffen wollte. Von der Redaktion

r kam vorbei am Kloster Kamp, sah den tollen Garten und entwarf noch in der Kutsche spontan die Pläne für einen ebensolchen am Schloss Sanssouci. Klingt großartig, stimmt aber leider überhaupt nicht, denn der „Alte Fritz“ war nie in Kamp. Schade eigentlich!

Was aber bleibt, ist dieser schöne Garten als beliebtes Ausflugsziel am Niederrhein. In Kamp-Lintfort kann man die älteste Zisterzienserabtei Deutschlands (1123 gegründet), hoch oben auf dem Berg – als solcher gilt bei uns am, Niederrhein ja alles, was mehr als ein Hügel ist – besuchen, zu deren Füßen der Terrassengarten angelegt wurde, der in den Jahren 1987 bis 1990 mit sehr viel Sorgfalt und Liebe zum Detail restauriert wurde. Das Kloster selbst wurde während des Truchsessischen Krieges im 16. Jahrhundert fast völlig zerstört. Der heutige Bau stammt aus der Zeit zwischen 1683 und 1747. Auf einer Fläche von 21.700 Quadratmetern entstand auf dem Kamper Berg die barocke Gartenanlage, die immer wieder mit saisonalen Blumen wunderschön gestaltet wird, natürlich in erster Linie ein gartenbauliches Highlight ist. Aber auch kulturell ist sie eine Bereicherung, denn in der Orangerie, die aus einer Konstruktion aus Glas und Stahl besteht, finden im Sommer immer wieder sehenswerte Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst statt und im Gartens selbst sind Skulpturen und Plastiken zu bewundern. Gegenüber der Klosterkirche befindet sich die Schatzkammer, das Museum, in dem man Wissenswertes über die Geschichte des Klosters erfahren kann.

Schön, dass der Terrassengarten jetzt ganzjährig für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das war nicht immer so, denn in früheren Zeiten hatten selbst die Mönche keinen Zutritt, damit der Abt sich mit seinen Gästen ungestört unterhalten konnte. Andere Zeiten, andere Sitten…

Direkt an der Klosterkirche ist ein Heilkräutergarten angelegt worden, der nach den Organsystemen des Menschen angelegt wurde. Hier erfährt der Gast, dass zum Beispiel Herzgespann und Weißdorn bei Herz- und Kreislaufbeschwerden, Flohsamenschalen bei Magen und Darmproblemen, Beinwell und Ringelblume bei Hauterkrankungen und Johanniskraut und Lavendel bei Erkrankungen des Nervensystems helfen können. So kann man bei dieser Gelegenheit auch noch so einiges zur Gesundheit lernen.

Wer möchte, kann den Besuch von Kloster Kamp und seinem sehenswerten Garten mit einer abwechslungsreichen Radtour verbinden. Die kann vom Kreis Viersen aus zum Beispiel über Kempen und Tönisberg (erste kleine „Bergetappe“) starten. In Tönisberg endete im Grunde das Ruhrgebiet mit seinen Steinkohlevorkommen. Hier steht zur Erinnerung noch ein riesiger Turm der ehemaligen Zechenanlage. Ein Kempener Wahrzeichen ist auch die gleich nebenan stehende historische Kastenbockwindmühle. Besichtigungen nur nach Terminabsprache.

Über Neufeld mit seinem Rokokoschloss Leyenburg aus dem 18. Jahrhundert und an Neukirchen-Vluyn vorbei geht es zum Wasserschloss Bloemersheim und weiter durch den Erholungswald Vluynbusch. Im nahe gelegen Samannnshof, einem beliebten Ausflugslokal, das seit Mai 2018 unter neuer Leitung steht, ist Gelegenheit für eine Einkehr, ehe es weiter geht durch die niederrheinische Ebene bis zum grünen Hügel von Kamp. Und zurück ist ein Abstecher am Volkspark Oermter Berg mit seinen Wildgehegen und Naturkundlichen Sammlungen vorbei durch die Ortschaften Rheurdt und Schaephuysen mit sehenswerten Kirchen und Mühlen zu empfehlen.

(Report Anzeigenblatt)