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12 000 Kilometer im Rad-Sattel

12  000 Kilometer im Rad-Sattel
Walter Leppers hat viele Pässe befahren. Auf seiner Route gab es so manche Hindernisse, zum Beispiel abgerutschte Straßen.
Süchteln. Walter Leppers aus Dülken liebt andere Länder, seine Freiheit und sein Rad. Damit erfüllt er sich seinen eigenen Radtraum. Seit sechs Jahren ist er Rentner und auf seinem Sattel in der ganzen Welt unterwegs. Von Claudia Ohmer

Sein Rad, 50 Kilogramm Gepäck, Haferflocken, und noch ein paar weitere Dinge - mehr braucht Walter Leppers nicht, um seinen (Rad)Traum zu leben. Seitdem der 69-Jährige 2011 in Rente ging, ist er eigentlich nur mit ein paar Pausen ununterbrochen auf dem Rad auf Weltreise. „Ganz ohne Druck - das war die Idee dahinter. Und Rad gefahren bin ich schon immer“, berichtet Leppers.

Die erste Etappe seiner Welttour ging durch Europa, Asien (Iran, Pakistan, China, Vietnam, Indonesien, u.a.) nach Australien, durch Neuseeland und quer durch Südamerika. Auf der zweiten Etappe durchfuhr er viele Länder des afrikanischen Kontinents. „Jetzt war ich von Januar bis August unterwegs in Myanmar, Indien, Nepal, bin dann von Neudelhi nach Helsinki geflogen und von dort durch Finnland, Estland, Litauen und Polen“ erklärt der Dülkener. Rund 12 000 Kilometer hat er auf dem Tacho seines Rades dabei gesammelt. Auf einigen Strecken hatte er diesmal wieder Begleitung. Sein Sohn Ingo ist einige Zeit mit ihm gefahren und Schwester Gabi ist von Danzig bis Dülken mitgeradelt.

„Die Menschen, die ich treffe, sind immer neugierig, die Gastfreundschaft ist groß, aber viele können nicht verstehen, warum ich mit dem Rad reise“, weiß Leppers. Natürlich bietet diese Art des Reisens nicht den höchsten Komfort. Sein Proviant muss er zusätzlich zu 50 Kilo Gepäck in Radtaschen mittransportieren. „Ich brauche immer morgens Kaffee und Müsli, und das gibt es meist auf der ganzen Welt.“ Wenn nicht schleppe er auch die Zwei-Kilo-Packung Haferflocken noch mit, denn die Ernährung müsse schon ausgewogen sein. Ersatzteile fürs Rad lässt er sich oft vom Besuch mitbringen: „Seit 2011 habe ich 100 Platten gehabt.“

Mit dabei hat er auch immer Laptop, Kamera und Reisetagebuch, in dem er Daten und Gedanken notiert. „Die Armut, die ich sehe und miterlebe, wie manche Menschen hausen, die bedrückt mich schon“, erinnert er sich. Von Land und Leuten sieht der 69-Jährige viel, und auch an den Sehenswürdigkeiten macht er mit seinem Rad Halt. „Der Tag endet meist da, wo es gerade auskommt, ich bin an nichts gebunden, muss nur schauen, dass ich nicht die Highlights verpasse.“ So übernachtet er mal im Zelt, mal in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Hotels und Unterkünften - „in Indien kostet ein einfaches Zimmer auch nur fünf Euro.“ Ein bestimmtes Zeitfenster müsse er auch einhalten, sonst seien manche Strecken unpassierbar wegen Schnee oder Wasser. So auch die höchsten Pässe der Welt, die er im Himalaya passiert hat (der höchste über 5 300 Meter hoch). „Bei der dünnen Luft musste ich viele Pausen machen“, berichtet Leppers. Und runter gehe es bei voller Konzentration, denn sonst werde es gefährlich auf den steilen Schotterpisten.

Auch den nächsten Trip hat er schon im Visier. „Im Januar 2018 haue ich ab, wenn das Wetter hier schlecht ist, dann geht es nach Äthiopien.“ Wunschziele habe er noch so einige offen, die da wären Kanada, Alaska, Russland oder die Mongolei. Aber da sei er als 69-Jähriger Realist, denn schnell könne es auch mit der guten Gesundheit vorbei sein.

Und natürlich freue er sich auch immer wieder auf Zuhause: „Am meisten vermisse ich neben Familie und Freunden das leckere und vernünftige Brot.“ Denn das sei in vielen Ländern der Welt eher schwierig zu bekommen.

(StadtSpiegel)