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Piloten am Boden

Piloten am Boden
Wintervergnügen im Hangar-Hobby-Keller: Heiko Langen (links) und Hans Arnold Paulsen bringen die Exemplare des Modellflugclubs Grenzland wieder auf Vordermann. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Sie nennen sich Piloten, obwohl sie selbst am Boden bleiben: Heiko Langen und Hans Arnold Paulsen vom Modellflugclubs Grenzland bringen den Winter über ihre Flieger auf Vordermann. Von Joachim Burghardt

Ersatzweise sitzen Miniaturfiguren in den Cockpits ihrer Modelle, „und auch schon mal ein Teddy“, sagt Heiko Langen vom Modellflugclub Grenzland Nettetal 1956 lächelnd. Zusammen mit seinem Vereinskollegen Hans Arnold Paulsen erzählt er, was sie den Winter über so treiben, die Piloten am Boden.

Die kalte Jahreszeit nutzen die beiden Vorstandsmitglieder, die sonst jede freie Minute auf dem vereinseigenen Modellflugplatz in Breyell-Natt verbringen, um daheim an ihren Fliegern herumzubasteln. Rund 30 Flugzeugmodelle hat Langen den Winter über in seinem Hobby-Keller in Kaldenkirchen eingelagert, der einem kleinen Hangar gleicht: Rümpfe in den Regalen an den Wänden, abmontierte Flügel daneben, moderne Typen hier, Nachbauten historischer Flieger da, darunter ein schmucker roter Doppeldecker.

Eingeweihte nicken wissend, wenn Langen und Paulsen, beide über 70, einige Modelle wie „Messerschmitt ME 262“ oder „Mirage Düsenjäger“ beim Namen nennen. „Die meisten von uns hat es schon in der Jugend gepackt“, sagt Langen. „Früher gab’s noch keine Fernbedienungen, die Modelle wurden über Fesseldrähte von Hand gelenkt“, erinnert sich Paulsen. Ihre Leidenschaft teilen sie mit rund 130 Piloten im Club.

Winterzeit ist für sie Bastelzeit: „Manche Vereinsmitglieder bauen ihre Modelle selbst in hunderten Arbeitsstunden“, erläutert Paulsen. Aber auch fertig gekaufte Modell müssen gewartet werden – Flügel nachjustieren, Motor durchchecken, Batterien oder Akkus der Fernsteuerungen auswechseln.

Richtig zur Geltung kommen die Flieger natürlich erst in Aktion hoch oben in der Luft. „Das macht ja unser Vereinsleben eigentlich aus, dass wir Piloten unsere Modellflugzeuge fliegen lassen“, hebt Paulsen hervor. 100 Meter oder höher drehen sie dann ferngesteuert ihre Kreise oder Loopings, angetrieben von kleinen Verbrennungs- oder Elektromotoren.

Wann es draußen wieder losgeht, ist noch ungewiss: Ende November wurde der Rasen auf dem Flugplatz, offensichtlich von Vandalen, verwüstet. „Spätestens im Frühjahr wollen wir versuchen, das irgendwie wieder hinzukriegen“, hofft Langen. Bis dahin bauen und basteln sie daheim an ihren Fliegern, die Piloten am Boden.

(Report Anzeigenblatt)