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Ein „anderes“ Buchprojekt

Ein „anderes“ Buchprojekt
Unter dem Titel „Einfach anders“ entwarfen junge Flüchtlinge ein eigenes Buch.
Nettetal. „Einfach anders“ ist der Titel eines Buchprojektes des in der Trägerschaft des Caritasverbandes Kempen-Viersen stehenden Breyeller Bürgerbüros. Büroleiterin Manuela Nazemi-Bogda konnte sich über eine große Unterstützung aus der Bevölkerung freuen. Von der Redaktion

Mit Hilfe der Kommune, des Landes, mehrerer ortsansässiger Vereine, der Stadt Nettetal, der Nettetaler Schulen und insbesondere „dem Herzen des Bügerbüros“, wie Nazemi-Bogda „ihre“ Ehrenamtler nennt, fördert die Leiterin des Breyeller Bürgerbüros seit 2012 unter anderem auch junge Flüchtlinge im Speckerfeld in Breyell.

Am 14. Dezember gelang es der Sozialpädagogin mit mehr als ein Dutzend jungen Projektteilnehmer, der Öffentlichkeit ein interessantes Buch zu präsentieren: Das Projekt „Einfach anders“ sammelt die Erfahrungen von jungen Flüchtlingen.

Ahmed Mohamed zeigt seine Projektmappe, die die Projektteilnehmer für das spätere Buch vorbereitet haben. Aus den Mappen springen dem Betrachter bunte Bilder, kleine Comicstrips, illustrierte Berichte und Impressionen zum späteren Buchthema entgegen. Obwohl Ahmed erst zwei Jahre in Deutschland lebt, spricht er nahezu fließend Deutsch. Er besucht, gemeinsam mit dem ebenfalls aus Syrien stammenden Efecan, das Werner-Jaeger-Gymnasium. „Ich möchte viel lernen“, sagt Efecan und von den politischen Zankereien rund um das Thema „Asyl und Flüchtlinge“ scheint er sich nicht ablenken zu lassen.

Der Schüler aus Nettetal hat bei seiner Flucht bereits viel erlebt. In der Türkei, in der er sieben Jahre lebte, bevor er es nach Deutschland schaffte, wurde er Opfer einer Messerattacke. „Ich möchte Ingenieur werden“, sagte er mit entschlossenem Blick, bei dem man spürt, dass dies keine Träumerei eines Teenagers bleiben soll.

Beate Krempe und Waleed Ibrahim, die als Künstler das Projekt begleiten, wissen, dass Kunst mehr ist als ein paar Pinselstriche auf einer weißen Leinwand.

Fleur Vogel ist Projektkoordinatorin der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW. Sie ist davon überzeugt, dass Kunst bildet. Ihr Verein betreut landesweit 22 Projekte, die mit Landesmitteln in der Gesamthöhe von 75.000 Euro gefördert werden. Die Landesfördermittel stehen Vogels Verein auch 2018 wieder zur Verfügung und das Breyeller Bürgerbüro wird voraussichtlich zum dritten Mal in Folge davon profitieren können.

„Das nächste Projekt wird ein Gesellschaftsspiel werden, mit dem kommunikative Prozesse vertieft werden“, können Manuela Nazemi-Bogda und Beate Krempe schon jetzt bekanntgeben. Die Initiatoren und die vielen Unterstützer von „Einfach anders“ sind davon überzeugt, dass genau solche Projekte dazu beitragen, junge Flüchtlinge zu stärken und in selbstbewusste Bürger zu verwandeln.

(StadtSpiegel)