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Disco war früher

Disco war früher
Armin Schönfelder und Ina Prümen-Schmitz (links) hatten sich am Montag den Fragen der Glabbacher Anwohner gestellt. FOTO: Uli Rentzsch
Nettetal. Bürgerprotest, Sondersitzung des Sozialausschusses und nun des Stadtrates – das gibt es im politischen Nettetal auch nicht alle Tage. Das Thema ist allerdings knifflig: Der Glabbacher Kneppenhof soll hergerichtet werden, um als Unterkunft für Asylbewerber tauglich zu sein. Dagegen wehrten sich die Glabbacher Anwohner, allerdings vergeblich Von Ulrich Rentzsch

Rund 85 Zuschauer verfolgten die Sitzung, der Ratssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Mittelpunkt stand der Tagesordnungspunkt 3: Die Schaffung weiterer Einrichtungen zur Unterbringung von Asylbewerbern. Der Rat sah die Notwendigkeit, zwei weitere Einrichtungen für mehr als 50 Personen und eine Einrichtung für 35 Personen zu schaffen. Das Objekt „Der Leutherheider“ in Leutherheide kann für rund 35 Personen genutzt werden. Auch im Objekt Lötscher Weg 108 können bis 100 Personen untergebracht werden. Außerdem soll das Objekt Schmaxbruch in Breyell bis 2017 aufgegeben und einer städtebaulichen Nutzung zugeführt werden. Hier herrschte bis auf ganz wenige Gegenstimmen Einigkeit im Rat.

Entschiedener wurde über das Objekt Kneppenhof in Hinsbeck-Glabbach diskutiert. Schnell wurde deutlich, dass sich eine Mehrheit für die Nutzung der ehemaligen Discothek als Asylbewerberunterkunft finden würde. Man müsse Verantwortung für eine Entscheidung übernehmen, obwohl man erst in Zukunft eine Bewertung dieser Entscheidung vornehmen könne, betonte Ingo Heymann (CDU), „die Flüchtlinge haben einen Anspruch auf diese Entscheidung.“ Renate Dyck (SPD) fand lobende Worte für das politische Engagement der Glabbacher Anwohner, aber auch für die gute interfraktionelle Arbeit im Stadtrat. Guido Gahlings (Grüne) monierte zwar eine verwirrende Informationspolitik der Verwaltung, signalisierte aber dennoch Zustimmung. Heinz-Willi Troost (FDP) betonte, dass die Flüchtlinge froh seien, hier in Frieden zu leben, dass es ihnen aber prinzipiell gleich sei, ob sie eine gute Infrastruktur nutzen können oder nicht: Hauptsache Frieden. Hajo Siemes (WIN) lehnte den Kneppenhof als Einrichtung für Asylbewerber ab und erntete dafür Beifall von den Besuchern.

Und dann war da noch Dirk Schlomski (AfD). Er glaubt, dass SPD, CDU und vor allem die Grünen zunächst das Objekt Kneppenhof abgelehnt hatten, nun aber doch zustimmten. Er nannte die „Info-Politik“ von Bürgermeister Wagner schon immer miserabel, vermutete, dass im Kneppenhof wohl 200, 500 oder 800 Asylbewerber untergebracht würden und griff Ratsmitglieder persönlich an. Die Kritik auf Schlomskis Rede ließ nicht auf sich warten. Marcus Ploenes (Grüne) vermisste jeglichen konstruktiven Vorschlag, Renate Dyck sah in Schlomski eine billige Kopie von Björn Höcke (AfD Thüringen), Jürgen Boyxen (CDU) hoffte wie Bürgermeister Christian Wagner, dass diese Entgleisungen ein einmaliger Fall blieben. Lothar Kronauer (ebenfalls AfD) distanzierte sich von den Worten Schlomskis.

Heinrich Ophoves (CDU und Ortsvorsteher in Hinsbeck) kündigte an, dass die Hinsbecker CDU Stadtverordneten gegen den Kneppenhof stimmen werden. Mehrheitlich wurde schließlich beschlossen, dass im Kneppenhof höchstens 120 Asylbewerber (vorzugsweise Familien) untergebracht werden.

Die Fraktionen im Nettetaler Stadtrat hatten sich am vergangenen Montag vor Ort informiert. Entgangen war ihnen sicher nicht, dass die Glabbacher mit Plakaten auf ihren Protest aufmerksam machten.

(Report Anzeigenblatt)