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„Box Dich da raus...“

Nettetal. „Box in, Box out“ - so nennt Sportfachmann Dominic Vial sein Programm, mit denen er Kindern und Jugendlichen Hilft, den Weg aus der Gewalt zu finden, sich sozial zu integrieren und sogar zu engagieren. Das Konzept geht auf. Jetzt sucht er die Zusammenarbeit mit der Stadt Nettetal. Von Kellys Grammatikou

Wohin mit der ganzen Wut? Mit dem ganzen Frust, wenn das Leben nicht so läuft, wie man es sich wünscht? Wenn, egal was man anpackt, alles einfach sprichwörtlich in die Hose geht?

Gerade bei Kindern und Jugendlichen äußert sich diese Wut und Frustration in Gewalt. Ausweglosigkeit, sozialer Abstieg - ein Weg in die falsche Richtung.

Der 23-jährige Dominic Vial aus Nettetal kannte das. „Ich war auch oft frustiert, gereizt und wusste mir keinen Ausweg“, erinnert er sich heute. Doch er hat es geschafft einen Weg aus diesem Sog zu finden. „Der Sport - vor allem der Boxsport - hat mir sehr dabei geholfen. Hier konnte ich meine Aggressionen rauslassen. Dadurch wurde ich viel entspannter und konnte meine Energie auf Dinge fokussieren, die tatsächlich wichtig sind im Leben“, so der Sport- und Boxtrainer heute.

Zunächst aber konzentrierte er sich auf seine Box-Karriere. Ganze 34 Kämpfe im Super-Schwergewicht stehen heute auf der Liste des fast zwei Meter großen und 91 Kilo schweren Athleten. „Doch ich wollte mehr - etwas solides“, sagt er. Da Sport seine große Leidenschaft war, absolvierte er eine Ausbildung zum Sportfachmann und hat sein Konzept „Box in, Box out“ entwicketl.

„Damit möchte ich Kindern und Jugendlichen, die Probleme in ihrem sozialen Umfeld oder in der Schule haben, sich ihren Problemen zu stellen und sich da auch wieder raus zu kämpfen“, sagt er.

Den Begriff „Anti-Aggressionstraining“, verwendet er dabei ungerne. Ich bin kein Anti-Aggressinostrainer - aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie dir gerade Sport oder Kampfsport dabei helfen kann, sich selbst aus der sozialen Isolation zu holen und die Energie, die in einem Schlummert, eben in positive Dinge zu investieren“, fasst der Familienvater zusammen.

Das Konzept geht auf. Mittlerweile trainieren zwei Mal die Wochen Jugendliche in zwei Altersgruppen bei ihm. „Wir treffen uns regelmäßig im Gym pur in Breyell. Dort finden die Jungs einen Boxring und alles was es fürs gute Training braucht“, sagt er.

Sowohl die Kinderboxgruppe (Kids zwischen vier und neun Jahren) also auch die Jugendboxgruppe (zehn bis 17) Jahre, freuen sich regelmäßig auf das Training und auf ihren Trainer. Denn sie sehen in Dominic Vial nicht nur einfach ihren Trainer - er ist einer von ihnen. Kennt ihre Probleme und Sorgen und steht ihnen jederzeit auch außerhalb des Rings zur Seite.

Die positiven Erfolge habe sich bei den Kids und Teens rumgesprochen - bis an die Schulen. Bereits mehrere Box-AG’s hat er dort geleitet - in Lobberich und Grefrath. Sie sind in das Schulkonzept integriert. „Ich weiß das ich für die Kinder und Jugendliche eine Vorbildfunktion habe und bin mir der Verantwortung mehr als bewusst“, sagt er.

Werden die persönlichen und privaten Probleme der jungen Boxer zu groß, geht er mit ihnen zu Peter von Horick. Dieser ist Sozialpädagoge und arbeitet mit dem Sportfachmann schon lange eng zusammen. „Wir sind miteinander befreundet und versuchen so gemeinsam die Probleme der Jugendlichen zu lösen“, sagt er.

Gerade Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten möchte der junge Boxprofi helfen. Sein nächstes, großes Ziel: Eine Zusammenarbeit mit der Stadt.

„Vielleicht habe ich die Möglichkeit eine Anlaufstelle zu werden, das ich mit der Stadt zusammen arbeiten kann, wenn es um auffällige Jugendliche geht“, sagt er.

Erste Gespräche mit der WIN (Wir in Nettetal) haben bereits statt gefunden und auch bei der Stadt Nettetal hat er sein Konzept vorgestellt „Ich hoffe dabei auf ein positives Feedback, denn es geht hier nicht um mich, sondern um die Jugendlichen und Kinder in unserer Stadt. So schwer es manche auch haben oder auch machen - sie haben alle die gleiche Chance verdient. Und mit dem richtigen Pack-an können sie es auch schaffen. Der Sport ist da nur Mittel zum Zweck“.

(Report Anzeigenblatt)