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Quadratische Ziegen und freche Kamelkinder

Quadratische Ziegen und freche Kamelkinder
Noch sitzt Kamelbaby Chloé am liebsten an der schützenden Seite von Mama Charlotta. Fotos (2): Gina Dollen
Brüggen. So langsam ist sie da, die warme Jahreszeit. Gezählt sind die Tage, an denen man sich nach drinnen ins Warme flüchtet. Jetzt heißt es raus in die Natur. Ein Ziel ist dabei besonders beliebt: der Tierpark. Auch im Natur- und Tierpark Brüggen ist der Sommer eingezogen und damit auch eine Menge niedlicher Nachwuchs. Von Gina Dollen

Ein warmer Lichtstrahl fällt durch die dichte Baumdecke über dem Natur-und Tierpark Brüggen. Das Wirrwarr aus Vogelgezwitscher, mähenden Ziegen und nicht ganz definierbaren Tiergeräuschen lässt einen erahnen, was sich alles hinter dem Eingangstor verbirgt. Mitten im Wald liegt hier das Zuhause von knapp 50 Tierarten. Vom Zebra, über Erdmännchen bis hin zu exotischen Schlangen und Spinnen ist alles dabei.

Da, hinter dem Bein von Kameldame Coco blitzt ein kleines Ohr hervor. Das Kamelkind Chloé hüpft vorwitzig neben der Mama hin und her. Zu dieser Jahreszeit kündigt sich der Babyboom im Tierpark an, was bei den Besuchern für Begeisterung sorgt. Hin und wieder gibt es sogar ein paar unfreiwillige Lacher: „Charlotta muss manchmal niesen, wenn Besucher vor ihr stehen und dann spuckt sie manchmal aus Versehen jemanden an. Die Umstehenden fangen dann natürlich an zu lachen und das hat sich die kleine Chloé gemerkt“, berichtet Tierparkbetreiberin Helga Kerren. „Jetzt spuckt sie manchmal einfach so, denn sie hat ja gelernt: wenn ich spucke haben die Besucher Spaß. Doof für denjenigen den es trifft, eine lustige Unterhaltung für alle anderen.“.

Auch die Axis-Hirsche haben Nachwuchs bekommen. Ganz entspannt liegt das kleine „Bambi“ inmitten seiner Familienmitglieder. Doch Moment, irgendwie sehen die alle aus wie ein Bambi. „Das liegt daran, dass die Axis-Hirsche als einzige ihrer Art ein Leben lang ihre Pünktchen behalten“, erklärt Kerren.

Im Ziegengehege kann man nur erahnen, dass hier bald neue Bewohner das Licht der Welt erblicken. Steht man aber direkt vor Ziegendame Cappuccino, ist offensichtlich, dass sie momentan dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“ entspricht und kleine Ziegen in ihrem Bauch umherträgt. Mit einem lauten „Määäh“ stupst sie ihre Besucher an, man kann ja mal nachsehen, ob die seltsamen Zweibeiner etwas zum Fressen mitgebracht haben.

Das Ziegengehege gehört neben dem Kaninchengehege zu denen, die zum Teil zugänglich für Besucher sind. So kann man auch mal ohne Zaun dazwischen auf Tuchfühlung gehen. „Unsere Tiere müssen natürlich alle sehr ,schussfest’ sein, denn bei so vielen Besuchern kann es auch mal laut oder durcheinander werden. Wir schauen ganz genau auf den Charakter und sehen, ob die Tiere für einen Tierpark geeignet sind, denn ihr Wohl hat oberste Priorität“, erklärt Helga Kerren. Manchmal sei sie verwundert, dass viele den Umgang mit Tieren gar nicht mehr kennen. „Da erkläre ich auch mal den Kindern, wie man richtig füttert oder dass man keine Scheu haben muss“, ergänzt ihr Mann Stephan Kerren.

Puh, so langsam wird es auch unter der schützenden Baumdecke ganz schön warm. „Wir leben natürlich von schönem Wetter“, sagt Helga Kerren. Doch für einige der Tiere ist es schnell mal zu warm. Da kommen Wasserlöcher und kleine Duschen durch die Tierpfleger gerade recht. „Besonders beliebt sind Eisbomben aus gefrorenen Früchten. Das lieben die Tiere“, sagt Kerren mit einem Lächeln.

Nur einer Tierart ist die brüllende Hitze völlig egal: die Totenkopfäffchen fühlen sich so pudelwohl. Auf sie muss man besonders aufpassen, denn wenn den Äffchen langweilig wird, kommen sie auf die wildesten Ideen: „Die knoten so lange am Netz, bis es auf ist und machen dann auch mal einen kleinen Ausflug“, berichten die Tierparkbetreiber schmunzelnd. Eines der Äffchen ist besonders oft ausgebrochen. „Da hat man einfach gemerkt, dass es nicht für eine solche Haltung gemacht ist. Nach einigem Hin und Her durfte es dann tatsächlich zurück in seine Heimat Indonesien. Da war ich stolz wie bolle“, schwärmt Tierfreundin Helga Kerren.

Die Sommerzeit bedeutet Hochsaison und eine Menge Arbeit. Das Ehepaar Kerren und ihre Mitarbeiter gehen aber trotzdem jeden Morgen gerne zur Arbeit: „Wir machen das hier mit Herzblut. Man hängt an jedem einzelnen Tier, baut eine persönliche Beziehung auf.“ Auch unter den Mitarbeitern herrsche eine ganz familiäre Stimmung. „Wenn man dann Abends seine Schlussrunde durch den Park läuft, es langsam kühler wird und die Tiere nach und nach schlafen gehen, dann weiß man, warum man diesen Job liebt“, sagt sie und blickt zufrieden über das Gelände.

(Report Anzeigenblatt)