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Stille Landschaften auf Sylt

Stille Landschaften auf Sylt
Ohne Touristenströme: Radwege durch einsame Dünen
Kreis Viersen. Gerne wird über Sylt als „Insel der Reichen und Schönen“ gelästert. Doch wer seine Ferien ganz normal auf dieser wunderbar abwechslungsreichen Insel verbringt, wird von dem viel besprochenen und in vielen TV-Sendungen beschworenen „Schicki Micki“ rein gar nichts finden. Von der Redaktion

Sylt ist mehr als die Insel der Reichen und Schönen. Obwohl natürlich Kampen bis heute ein beliebter High Society-Treffpunkt geblieben ist. Und im berühmten „Go-Gärtchen“ einen Drink zu nehmen oder einen leckeren Happen zu essen, ist natürlich immer noch ein Glücksmoment. Seinen Namen hat sich das Dörfchen, das nur wenige hundert Einwohner – dafür im Laufe des ganzen Jahres aber umso mehr Zulauf – hat, aber in den Zeiten gemacht, als noch so prominente Künstler von Lovis Corinth und Emil Nolde über Thomas Mann bis Carl Zuckmayer hier abstiegen. Später machten dann vor allem die internationalen Playboys aus der „Yellow Press“ die Schlagzeilen.

Wichtiger als die Promis von Kampen sind auf Sylt aber ganz andere Qualitäten der Insel, die ganz weit oben im Norden in Nordfriesland liegt: Das sind vor allem die schönen Dünen- und Heidelandschaften, traumhafte Strände und so stille Winkel, wie man sie auf einer so vielbesuchten Insel gar nicht erwartet. Die Insel ist auch groß genug, dass man hier hervorragend Wandern und Radfahren kann.

Für den einen Gast gehört die 20 Kilometer lange Wanderung von Hörnum, dem stillen Ort im Süden, am Strand entlang und durch die Dünen bis nach Westerland zum Urlaubsprogramm. Ein anderer Gast bevorzugt vielleicht die lange Radwanderung von Westerland nach List ganz im Norden, von wo aus das Gosch-Imperium seinen Anfang nahm. Der gelernte Maurer Jürgen Gosch, der zu Beginn seiner Gastro-Karriere lediglich Fischbrötchen verkaufte, verfügt heute über ein ansehnliches Imperium eigener und Franchise-Fischimbisse und Restaurants, die auf der Insel einfach in sind. Der Lister Hafen ist mit der nördlichsten Fischbude Deutschlands und der Alten Bootshalle, einem beliebten Shopping Center, einen Abstecher wert. Von hier geht auch das Fährschiff nach Dänemark.

Auf dem Weg nach List kommt der Radler an der „Sylter Sahara“ vorbei, der einzigen Wanderdüne Deutschlands, die sich bis zu 30 Meter auftürmt und kilometerlang ist. In List selbst gibt es die wunderbaren Austern „Sylter Royal“.

Wer sich die Zeit nimmt, den Ellenbogen zu erwandern oder zu erradeln, der kommt auf jeden Fall auf seine Kosten, denn hier hat man das offene Meer auf der einen und das Watt auf der anderen Seite ganz nah beieinander. Und hier kann man die Stille ebenso genießen wie etwa im stillsten Teil der Insel rund um Morsum und Archsum. Drei sehr unterschiedliche Kliffs gilt es auf der Insel kennen zu lernen: das Weiße, das Rote und das Grüne Kliff. Worin sie sich unterscheiden, wird bei einem Abstecher schnell klar. Sehenswert sind sie allemal. Das gilt auch für den höchsten Aussichtspunkt auf der Insel, die über 50 Meter hohe „Uwe-Düne“ in Kampen. Von dort aus gibt es auch einen beliebten Wanderpfad in Richtung Wenningstedt, immer auf den Dünen mit Blick zum Meer.

Von Hörnum, dem südlichen Hafen der Insel, gehen die Adler-Schiffe Richtung Föhr und Amrum oder zur Hallig Hooge. Mit dem modernen Hotel Budersand hat der kleine Ort an Attraktion gewonnen. Ein Spaziergang an der Hörnum-Odde ist schon deswegen ein Muss, weil seit Jahren geunkt wird, dass es diese ansehnliche Landzunge bald nicht mehr geben wird. Durch Sturmfluten ist in den letzten Jahren schon viel Land verschwunden. Sylt mit seiner langgestreckten und schmalen Gestalt ist in Gefahr, von einer gewaltigen Sturmflut eines Tages in zwei Teile geteilt zu werden.

Wer genug der Stille erlebt hat, sehnt sich vielleicht danach, auch einmal so richtig Trubel in Westerland, der Hauptstadt der Insel, zu erleben. Die Friedrichstraße ist eine populäre Einkaufsmeile mit schönen Cafés und Restaurants. An der Strandpromenade kann man Konzerten lauschen oder Sonnenuntergänge genießen, am besten mit dem richtigen Cocktail im Glas. Einen der besten Köche der Insel kann man im Restaurant von Jörg Müller genießen: Nicht abgehoben und mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis ist der frühere Sternekoch unschlagbar. Ein Muss ist für viele Besucher natürlich der Besuch in Herbert Secklers Promi-Strandtreff „Sansibar“. Wer einmal einen Blick in dessen Wein-Katakomben in den Dünen werfen durfte, der steht staunend vor rund 30.000 Weinflaschen aller Sorten, Größen und Geschmacksrichtungen.

Auch die „Kupferkanne“ in der Heide von Kampen gehört bei einem Sylt-Urlaub einfach dazu: Hier bekommt man die größten Kuchen der Insel und sitzt in einem malerischen Garten ebenso schön wie in der gemütlichen alten Bunkeranlage selbst.

(Report Anzeigenblatt)