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Was tun, wenn das Kind süchtig ist?

Was tun, wenn das Kind süchtig ist?
Referiert und informiert über das Thema „Drogenabhängigkeit und ihre Behandlung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“: Dr. Freia Hahn, Chefärztin der Abteilung 2 der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen. FOTO: Beatrix Wolters/ LVR
Süchteln. Keine große Lobby habe die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die drogensüchtig sind. Gerade deshalb ist es Dr. Freia Hahn, Chefärztin an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen, besonders wichtig, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Von Dirk Kamps

Seit Wochen entzieht sich der 15-jährige Sohn. Er spricht kaum noch, schwänzt die Schule, zieht sich von seinem alten Freundeskreis zurück. Zudem vernachlässigt er immer mehr seine Körperhygiene. Immer wieder fragt er nach Geld. Wofür, das sagt er nicht. Dieser Fall ist konstruiert - aber sicher so oder ähnlich des Öfteren bereits passiert. Es sind Alarmsignale, die darauf hinweisen könnten, dass das Kind ein Drogenproblem hat.

Mit solchen Fällen kennt sich Dr. Freia Hahn aus. Gemeinsam mit Dr. Brigitte Roloff von der Erwachsenenpsychiatrie wird sie am Dienstag, 3. November, im Rahmen der Veranstaltung „Drogenabhängigkeit und ihre Behandlung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ über Sucht und Behandlungsmöglichkeiten informieren. „Dabei sprechen wir Jugendliche und Eltern, aber auch Lehrer, Berater und Ärzte an“, sagt Hahn im Gespräch mit dem Extra-Tipp.

In der LVR-Klinik werden aktuell 22 Jugendliche stationär wegen ihrer Abhängigkeit behandelt. Junge Menschen seien gefährdeter in eine Sucht zu geraten als Erwachsene. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass das Gehirn in der Zeit der Pubertät grundlegende Reife- und Umbauprozesse durchläuft, die es gegenüber Schädigungen empfindlicher macht, erklärt Dr. Freia Hahn. Sie sagt: „Die verschiedenen Regionen haben unterschiedliche Reifungsgeschwindigkeiten.“ So reife die Hirnregion, die für die Emotionen zuständig ist, schneller als die, die für die Kontrolle unseres Handelns benötigt wird. Hahn: „Ein Kollege vergleicht es spaßeshalber mit einem Porsche, der mit Fahrradbremsen unterwegs ist.“ Und so könne auch, natürlich individuell von Mensch zu Mensch unterschiedlich, eine höhere Risikobereitschaft vorliegen, die die Jugendlichen leichter an Drogen geraten lässt. Dazu ist auch das soziale Umfeld von besonderer Bedeutung. Wichtig seien Strukturen und Orientierung in der Familie. Manchmal können es aber auch einfach die „falschen Freunde“ sein, die einen auf die schiefe Bahn bringen.

Wichtig ist, dass man sich im Fall der Fälle Hilfe holt. Das kann bei der Drogenberatung sein, aber auch beim Jugendamt. „Wir selbst bieten ein ’Drogentelefon’ an“, erklärt Dr. Freia Hahn. Bei diesem niederschwelligen Angebote erhält man Hilfe, Beratung und die Information, wer in welchem Fall der passende Ansprechpartner ist. Erreichbar ist das „Drogentelefon“ werktags zwischen 11 und 13 Uhr unter 02162/ 965137.

Ein erster Schritt der Informationsbeschaffung könnte auch die Veranstaltung am kommenden Dienstag sein.

(Report Anzeigenblatt)