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Viele Fragen kommen nachts

Viele Fragen kommen nachts
Das Team der E-Mail-Beratung (v. l.): Vanessa Ingenfeld, Yella Lennartz und Michael Hauser von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe beantworten per Internet (www.krh-online.de) anonym gestellte Fragen von Ratsuchenden. Nicht auf dem Foto ist Michael Hartges. FOTO: Suchtberatung
Kreis Viersen. Immer häufiger nutzen suchtkranke Menschen aus dem Kreis Viersen und ihre Angehörigen die Mail-Beratung der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen. Über das Internet können sie anonym und kostenlos Kontakt aufnehmen. Von Yvonne Simeonidis

Die Mail war um kurz nach zwei in der Nacht abgeschickt worden, und sie war ein Hilferuf. „Ich trinke seit Jahren. Ich kann nicht mehr“, schrieb der Absender. Kein Einzelfall. „Viele Mails kommen spätabends oder nachts, wenn der Leidensdruck akut hoch ist“, berichtet Yella Lennartz, stellvertretende Leiterin der Suchtberatung. Das ist der Vorteil der Mail-Beratung: Die Betroffenen können sie immer nutzen, ohne irgendwo hingehen zu müssen oder an Öffnungszeiten gebunden zu sein. Sie müssen nicht einmal ihren Namen hinterlassen.

Über die Webseite der Suchtberatung www.krh-online.de gelangen die Interessenten auf ein geschütztes Mail-Formular. Hier geben sie sich einen fiktiven Benutzernamen und ein Passwort, wählen aus einer Liste den Beratungsanlass aus (zum Beispiel Alkohol, illegale Drogen, Medikamente, Ess-Störungen) und schreiben ihre Nachricht. Persönliche Daten werden bei der Anmeldung nicht abgefragt.

Bei der Suchtberatung kümmern sich vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Anfragen. „In der Regel antworten wir spätestens am nächsten Arbeitstag“, sagt Michael Hauser.

Um die Antwort lesen zu können, loggt sich der Ratsuchende mit seinem Benutzernamen und Passwort in das System ein. Damit ist sichergestellt, dass kein anderer die elektronische Post lesen kann, auch Familienmitglieder nicht, die denselben PC benutzen. Die Berater kennen außer der Fragestellung nur den Benutzernamen und einige anonyme Angaben (Geschlecht, Altersgruppe), die bei der Anmeldung freiwillig gemacht werden können.

Die Bandbreite der Ratsuchenden ist groß. Yella Lennartz: „Uns haben bisher Menschen zwischen 15 und 70 Jageschrieben. Darunter waren Suchtkranke, die sich nie in eine Beratung getraut haben, ebenso wie Partner oder Eltern von Betroffenen. Einmal hat sich eine Clique an uns gewandt, die sich Sorgen um einen Freund machte.“

Manche melden sich auf die Antwort der Berater gar nicht mehr, einigen reichen die Infos in den ersten Mails, andere greifen recht bald zum Telefon oder vereinbaren einen Gesprächstermin in der Suchtberatung. „Gerade habe ich einen Klienten aus der Mailberatung in eine Therapie vermittelt“, berichtet Vanessa Ingenfeld. Für die Berater gilt selbstverständlich eine Schweigepflicht.

Ihre Arbeit ist für den Hilfesuchenden kostenlos. Die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe ist im Kreis Viersen die Beratungsstelle für alle Fragen und Informationen rund um das Thema Sucht und Drogen.

(Report Anzeigenblatt)