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Luca: Noch keine Klarheit

Luca: Noch keine Klarheit
Der Fall des kleinen Luca aus Dülken ging am Freitag in die nächste Verhandlungsrunde. FOTO: Heike Ahlen
Dülken/Mönchengladbach (hei). Im Prozess um den gewaltsamen Tod des fünfjährigen Luca aus Dülken haben weitere Zeugen ausgesagt. Klare Erkenntnisse gibt es immer noch nicht. Von Heike Ahlen

Der Prozess, in dem aufgeklärt werden soll, wer dem fünfjährigen Luca im Oktober 2016 so schwere Verletzungen zufügte, dass er starb, ist geprägt von sich widersprechenden Zeugenaussagen. Angeklagt sind Martin S. (27), der Lebensgefährte der Mutter, wegen Misshandlungen und Totschlags, und die Mutter Amanda Z. wegen Misshandlungen durch Unterlassen.

Da machte auch der Prozesstag am Freitag keine Ausnahme. Eine frühere Freundin der Familie beschrieb einen Vorfall, bei dem die Mutter den Jungen grob angefasst habe, weil er ein Butterbrot nicht essen wollte. Später an diesem Abend sei ihr aufgefallen, dass Luca „gekrümmt“ laufe. Sie habe die Mutter gebeten, mit dem Kind zum Arzt zu fahren. Diese habe gesagt, sie sei in der Klinik gewesen, Luca fehle nichts.

Der Kontakt zu der Familie sei irgendwann nach Ostern 2016 abgebrochen, nicht wegen Luca, sondern wegen eines anderen Vorfalls. Martin S.’ Verteidiger Hendrik Rente fragte die 36-Jährige, ob sie sich erinnern könne, was sie der Polizei auf die Frage, was sie glaube, wer Luca das angetan habe, geantwortet habe. Die Antwort kam sofort: „Ja, Amanda.“

Auch die Tante von Martin S. glaubt nicht daran, dass ihr Neffe der Hauptschuldige sei. Sie hatte das Jugendamt eingeschaltet, weil sie während des Schützenfests 2015 darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass der Junge dreckig, verwahrlost und mit dem Abdruck einer Hand im Gesicht herumlaufe. Daraufhin kam Luca zunächst zu seinem leiblichen Vater. „Ich dachte, jetzt passiert was, aber es ist nichts passiert“, sagt sie. Die Mutter sei geschickt genug gewesen, sich jeder Kontrolle zu entziehen. Einen Mord traue sie ihrem Neffen nicht zu, wohl aber, dass er „etwas tut, was er immer bereuen wird“. Der Mutter allerdings traue sie es „auch mit Verstand zu“. Sie habe „Martins Labilität ausgenutzt“. Die nächste Zeugin, Mutter einer Kindergartenfreundin von Luca, wiederum, beschreibt die Mutter als sehr liebevoll.

Ausgesagt haben am Freitag auch zwei Kinderärzte aus Dülken, bei denen Luca in Behandlung war. Die erste Ärztin beschrieb die Situation im Januar 2016, bei der Luca angeblich auf dem Weg zur Kita gestürzt sein soll – so hatte es Martin S. den Erzieherinnen gesagt. „Die Verletzungsmuster waren nicht mit einem Sturz in Verbindung zu bringen“, sagte die Medizinerin, das habe sie der Mutter auch gesagt. Luca habe angegeben, er sei geschlagen worden, auf Nachfragen auch „Martin“ als Täter genannt. Die Reaktion der Mutter darauf sei ihr merkwürdig vorgekommen. Sie habe weit entfernt von ihrem Kind gestanden und „Du lügst“ gesagt. Danach habe die Familie den Arzt gewechselt.

Auch der neue Arzt war vom Jugendamt über die Vorfälle unterrichtet worden. Er beschrieb Luca als entwicklungsverzögert. Einmal habe er ihn in die Kinderklinik einweisen lassen. Er hatte ein großes Hämatom am Schambein entdeckt, der Junge hatte über Bauchschmerzen geklagt. In der Klinik habe man dann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert. Bauchspeicheldrüsenentzündungen bei Kindern seien sehr selten, in 25 Jahren habe er nur einen weiteren Fall erlebt, sagt der Mediziner.

(Report Anzeigenblatt)