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Karlsbads heiße Quellen

Karlsbad. In den Hügeln des westlichen Böhmerwald erstreckt sich entlang der Mündung des Flusses Teplá der berühmte tschechische Kurort Karlsbad (tschechisch Karlovy Vary). Er ist in vielerlei Hinsicht reich an Tradition. Von Christiane Samuel

Neben den beeindruckenden Prachtbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert fallen mir auf meinem ersten Spaziergang durch den Ort die speziellen Trinkbecher in den Händen der vielen Passanten auf. Sie sind gleichzeitig beliebtes Souvenir und praktische Ausstattung für die berühmten Trinkkuren. Denn wer in Karlsbad etwas für die Gesundheit tun möchte, der kauft sich an einem der zahlreichen Stände einen dieser „Kurbecher“, die es hier in den unterschiedlichsten Designs und Größen gibt.

Hierbei handelt es sich um eine Porzellantasse mit einem hohlen geschwungenen Henkel, durch den getrunken wird. Er verhindert, dass man sich an dem bis zu 72 Grad heißen Thermalwasser den Mund verbrennt. Um an das begehrte Karlsbader Heilwasser zu kommen, hält man die Tasse einfach unter eine der zwölf dauerhaft sprudelnden Quellen, die in den verschiedenen gut erhaltenen historischen Brunnenkolonaden für jedermann frei zugänglich und deren Anwendungsbereiche vielfältig sind.

Bereits im 14. Jahrhundert waren die Karlsbader Thermalquellen bekannt: Ein durstiger Hirsch soll mit seinen Hufen die erste warme Quelle freigelegt haben. Am 14. August 1370 erhob der böhmische König und römisch-deutsche Kaiser Karl IV. dann den schon existierenden Ort Vary zur Königsstadt.

Wurden die Quellen zunächst für Bäder genutzt, so kamen im 16. Jahrhundert die Trinkkuren hinzu. Insgesamt sind im zentralen Kurortgebiet 89 Austritte von mineralisierten Thermalwässern dokumentiert, 19 davon sind gemäß dem Kurortgesetz zugelassene, natürliche Heilwässer.

Im ganzen Innenstadtbereich herrscht eine lebendige und gelassene Atmosphäre. Am Ende der Promenade fällt mir ein imposantes Gebäude auf. Es handelt sich um das 1770 gegründete, am Ufer der Teplá gelegene Grandhotel Pupp, das der Hotelier Julius Pupp (1870–1936) zu einem Hotel der internationalen Spitzenklasse ausgebaut hat. Dass mir die Fassade bekannt vorkommt, ist nicht verwunderlich, denn das Grandhotel diente bereits in vielen Filmen als Kulisse, unter anderem im James-Bond-Film „Casino Royale“. Auch das weitestgehend im Jugendstil gehaltene Innere kann besichtigt werden.

In vielen Geschäften und in jedem Supermarkt vor Ort wird eine international bekannte Spezialität Karlsbads angeboten: die Karlsbader Obladen, eine Waffelart, die erstmals 1865 kreiert wurde.

Um die landestypische böhmische Küche genießen zu können, essen wir im urigen Restaurant des Hotels Embassy zu Abend und reihen uns damit ein in den Reigen von Berühmtheiten wie Michael Douglas, John Travolta, Robert Redfort und Jean Reno, die bereits dort zu Gast waren, wenn man den vielen Fotos im Eingangsbereich glauben darf. Dort erhalten wir nach dem köstlichen, aber reichhaltigen Essen dann auch eine weitere kulinarische Spezialität: den berühmten „Karlsbader Becherbitter“. Der Kräuterlikör, der von dem Apotheker Josef Vitus Becher (1789–1860) erstmals hergestellt wurde, ist als „Becherovka“ im Handel – er wird übrigens auch die „dreizehnte Karlsbader Quelle“ genannt.

(Report Anzeigenblatt)