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Für die Kinder im Sudan

Für die Kinder im Sudan
In der Mitte wird das Schild „Lachen helfen“ gezeigt. Dieses Projekt hat der Nettetaler Polizist Heiko Lammertz mit ins leben gerufen.
Nettetal/ Darfur. Seit November ist der Nettetaler Polizist Heiko Lammertz im UN-Einsatz in Darfur im Sudan statt auf seiner Dienststelle in Mönchengladbach. Neben dem Schutz der Zivilbevölkerung möchte er dort eine Schule wieder aufbauen. Von Heike Ahlen

Seine Frau und seine Söhne (15 und zwölf) wissen bereits, wie das ist, wenn Heiko Lammertz für ein Jahr nicht da ist. Denn für den 48-Jährigen ist es jetzt der vierte Einsatz für die UN. Jeweils ein Jahr war er bereits im Kosovo, in Afghanistan und im Südsudan. Seit November ist er nun in Darfur, einer riesigen Provinz im Westen des Sudans. Normalerweise ist er als Polizist in Mönchengladbach im Einsatz, zehn Jahre lang war er auch im Kreis Viersen tätig.

Bei der UN Mission in Tawilla in Darfur sind nicht nur Soldaten eingesetzt, sondern auch 30 Polizisten aus aller Welt. Insgesamt sind in dieser Mission allerdings nur sieben Deutsche dabei, und Deutschland ist das einzige europäische Land, das sich daran beteiligt.

Die Aufgabe ist klar umrissen: Es geht darum, die Zivilisten, besonders die rund 150.000 Flüchtlinge, zu beschützen, die Einhaltung der Menschenrechte zu überwachen und die örtliche Polizei auszubilden und in der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung zu schulen.

Der Krieg in Darfur hat im Jahr 2003 begonnen. Viele Menschen sind bereits seit 15 Jahren auf der Flucht. Ihre Dörfer sind zerstört. Trotzdem, so weiß Lammertz, möchte keiner der Flüchtlinge das Land verlassen. Sie möchten ihre Heimat geschützt wissen, gefahrlos in ihre Dörfer zurückkehren können. Bei vielen Flüchtlingen geht ein Lächeln durchs Gesicht, wenn sie hören, dass Heiko Lammertz aus Deutschland kommt. „Deutschland finden die meisten gut“, sagt der Polizist. Das habe jedoch nichts mit offenen Grenzen oder der Aufnahme von Flüchtlingen zu tun – Nachrichten über die aktuelle politische Lage in Deutschland dringen nicht bis nach Darfur. Es sei einfach so, dass Deutschland dafür bekannt sei, dass von dort Hilfe komme. Denn das Verlangen, das eigene Land zu verlassen, vielleicht nach Deutschland zu kommen, habe dort niemand, erzählt Lammertz. „Sie lieben ihr Land und möchten dort eine Zukunft haben. Und dafür hoffen sie auf Hilfe.“ Wobei diese Hilfe in erster Linie „Bildung“ heiße.

Deshalb haben sich Heiko Lammertz und sein Kölner Kollege Toni Kirchmair (58), für den es schon die fünfte UN-Mission ist, auch entschlossen, wieder ein „Lachen Helfen“-Projekt durchzuführen. Der Verein „Lachen Helfen“ wurde 1996 von Polizisten und Soldaten, die in friedenssichernden Missionen im Ausland unterwegs sind, gegründet. Als Lammertz 2014/ 15 im Südsudan war, hat er dort mit Kollegen ein Haus für Straßenkinder aufgebaut. Straßenkinder gibt es in Darfur nicht, hier ist der Familienzusammenhalt besser. Die Familien hoffen darauf, dass Bildung für ihre Kinder ihnen eine bessere Zukunft schaffen kann.

Deshalb nehmen die Kinder teils mehrstündige Fußmärsche jeden Tag in Kauf, um zur Schule zu kommen. In Tawilla, wo Lammertz und Kirchmair stationiert sind, gibt es die „Secondary Boys Scool“ – wobei der Name trügt. Es ist keine reine weiterführende Schule, die Kinder gehen dort von der ersten Klasse an hin. Auch Mädchen werden dort – getrennt von den Jungen – unterrichtet.

Die Schule ist durch den Krieg stark zerstört, in den Wänden, wenn sie denn überhaupt da sind, finden sich noch Einschusslöcher, als Toilette für insgesamt 550 Kinder und ihre Lehrer dienen zwei Löcher im Boden. Dächer fehlen fast überall, so dass es in der Regenzeit, die im August beginnt, keinen Schutz gibt.

8.500 Euro soll es kosten, diese Schule wieder aufzubauen. Das muss aus Spenden finanziert werden, die der Verein sammelt. Lammertz und Kirchmair werden die Arbeit am Projekt leiten und hoffen, dass genügend Spenden zusammenkommen, um noch ein zweites Projekt anzugehen. Denn das Krankenhaus in Tawilla, das für 150.000 Menschen da sein soll, verfügt über genau zwei Betten. Eins ist für die Wöchnerinnen, eins für alle, die krank werden. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Hier sterben Menschen auch an Infektionen, die durch Verunreinigungen verursacht sind, und die sie eigentlich problemlos überleben könnten.

(Report Anzeigenblatt)
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