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Der Mut zur Innovation

Der Mut zur Innovation
Der Geist der Innovation ist fast mit den Händen greifbar. FOTO: Yasyl-Fotolia.com
Viersen. Nach knapp 20 Jahren unternehmerischer Tätigkeit mit verschiedensten, auch internationalen, Etappen ein agiles Unternehmen zu schaffen welches losgelöst von klassischen Organisationsstrukturen und auf "Position" eingestellten Mitarbeitern agieren und international wachsen kann, das war vor zwei Jahren der Hauptlöser zur Gründung der Screenware GmbH & Co. KG als Software Start-up für Innovationen. Von Uli Rentzsch

Aktuell beschäftigt sich die Screenware mit verschiedensten Lösung für schnell und effizient Datenbereitstellung, dem interaktiven Kartensystem "Ynfynyty" und dem Online Tool LightCloud für den Leuchtenmarkt. Der Extra-Tipp fragte nach bei Thomas Müllers, Gründer und CEO von Screenware.

Was genau ist ein Startup?
Thomas Müllers: Per Definition ist ein Start-up ein kürzlich gegründetes Unternehmen. Allerdings würde man die neu gegründete Metzgerei nicht als Start-up bezeichnen, da es sich hierbei um kein innovatives Geschäftskonzept handelt und der Markt klar definiert ist. Man würde den Begriff Start-up ehr definieren als Neugründung mit einer überdurchschnittlichen Chance auf Wachstum, dem Erschließen neuer Märkte, dem Verändern bestehender Märkte durch Innovation. Was auch erklärt warum die meisten Start-ups im Technologie- und Internetsektor aktiv sind.

Start-up – das wird oft in Verbindung gebracht mit Kreativität und Erfindergeist (innovation). Sind dies zwei unabdingbare Voraussetzungen, ein Startup zu gründen?
Das sind gewiss häufige und positive Eigenschaft eines Start-ups, unabdingbar sind sie jedoch nicht. Als unabdingbar würde ich betiteln, dass man etwas anders macht, sprich neue bessere, am besten markterschaffende, verändernde Wege geht. Leidenschaft und Begeisterung für die eigene Sache sind neben dem Wunsch, die Geschäftsidee zu verwirklichen, wohl die Hauptbeweggründe ein Startup zu gründen.

Wenn der Begriff Start-up fällt, denken viele an Tüftler, die in einer Garage in unzähligen Nachtschichten ihren Ideen nachjagen. Nur ein Klischee?
Ich glaube, hier sollte man in zwei Kategorien aufteilen. Zum einen den Einzelgründer oder das innovative Gründerteam, welches eine Vision hat. In solchen Fällen sind die Anfänge mit unzähligen Nachschichten und Aufopferung verbunden.
Zum anderen die Seriengründer und oder die von vornherein auf den Profit ausgelegten Gründungen. Von Investoren oder Konzernen unterstützt ist hierbei das Konzept schon nahezu ausgereift und das Unternehmen wird im Zuge des Rollout mit klaren Vorstellung von Vertrieb und Marketing gegründet, um eine rasche Marktdurchdringung zu erzielen.

Welchen Wert haben Start-ups für die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft, speziell für unsere doch eher ländlich geprägte Region?
Schauen wir uns global die gesellschaftliche Entwicklung an, so kann man ganz klar den Trend zur Urbanisierung sehen. Hier könnten Start-ups, welche meist Technologie- und Innovationsträger sind, als interessante Arbeitgeber die Region stärken und den Faktor Humankapital mittelfristig durch Wissenstransfer und Einbringung in die Gesellschaft verbessern.
Die ländlichen Region können von den Kapitalzuflüssen in Start-ups profitieren, so sammelten alleine 2017 in Deutschland ansässige Start-ups rund drei Milliarden Euro an externem Kapital ein, welches für Forschung, Wachstum und Entwicklung genutzt wird.

Sind wir in unserer Region eher führend, was die die Anzahl der Gründungen von Start-ups betrifft oder schlummern hier noch nicht erkannte Möglichkeiten?
Für Start-ups kann man klar erkennen, dass gewisse Großstädte "gehypt" werden, so hat Hamburg neben Berlin einen hohen Zulauf zu verzeichnen. Gesamt werden 85 Prozent aller Start-ups in Metropolen und oder mittelgroßen Städten gegründet. Lediglich zwölf Prozent in Kleinstädten und sogar nur drei Prozent in ländlichen Gegenden.
Gerade in unserer Region schlummert mit der Nähe zu den Niederlanden ein direkter Zugang zu den sehr international aufgestellten Nachbaren und viele nicht genutzte, zugängliche Möglichkeiten was die Zusammenarbeit mit Universitäten anbelangt.
Wir verfügen am Niederrhein über hervorragenden Verkehrsanbindung inklusive Flughäfen im direkten Umfeld – und das bei sehr interessanten Mietpreisen für Gewerbeflächen. so ist es für ein in der Gründungsphase befindliches Start-up ohne vorher schon einen kapitalstarken Investor zu haben. Hier können wir mit Sicherheit Punkten.
Aktuell befinde ich mich in Gesprächen mit lokalen Unternehmern in denen Ansätze zur Gründung eines Startup Camps in unserer Region abgeklopft werden.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um noch mehr Startups zu entwickeln?
Hier könnte ich jetzt antworten, dass man die finanzielle Förderungen verstärken, bürokratische Hürden und gesetzliche Auflagen reduzieren und den Breitbandausbau schneller vorantreiben muss. Aber ganz ehrlich, das sind Dinge, die dazu gehören, denen man sich als Gründer stellt.
Viel maßgeblicher ist ein deutlich einfacherer und effizienter Zugang zu den Punkten: welche Start-ups gibt es schon, wer sind Gleichgesinnte, wer wäre potenzieller Kooperationspartner aus Industrie, Handwerk und Hochschulen, was spricht für den Standort, welche Möglichkeiten bietet die Region? Kurzum, alles was mein Bild als Gründer reifen lässt.
Wir müssen die Hürde, sich vorzubereiten, zu planen und abzuwägen, für junge kreative Köpfe, welche zunächst mal nicht alle Unternehmer sind, deutlich niedriger gestalten.
In einer Zeit, in der das Internet die erste Anlaufstelle für nahezu jede Frage und Recherche ist: Weltweit wurde nach dem 25-jährigen Geburtstag des worldwideweb mit dem Jahr 2018 die Marke von vier Milliarden Menschen mit Internetzugang durchbrochen. Es gibt Plattformen, auf denen Sie sich im Vorfeld über die noch so kleinsten Urlaubsorte mit allen Information versorgen, mit anderen Reisenden verbinden und ihr Abendessen mit passender Musik buchen können. Und nun versuchen Sie mal, diese Information als Vorplanung gespiegelt für die Gründung eines Start-ups zu bekommen oder gar sich im Vorfeld zu vernetzen und auszutauschen.
Hier besteht aus meiner Sicht der größte Handlungsbedarf mit den am schnellsten zu erzielenden Ergebnissen.

Muss in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Universitäten noch weiter entwickelt werden?
Nicht nur in diesem Zusammenhang. Schon lange gibt es Forderungen aus Politik und Wirtschaft, die Kooperation mit Hochschulen zu intensivieren und für den breiten Mittelstand zugänglich zu machen. Hier wird vorrangig aus der Sicht der Hochschulen geschaut, um eine bessere Bildungspolitik zu erzielen, aber es gibt durchaus auch etliche Unternehmer und Start-ups, welche auf verschiedenen Wegen versuchen, eine Kontakt zu Hochschulen aufzubauen. Zudem wünschen sich Firmen einen höheren Praxisbezug der angehenden Absolventen sprich zukünftigen Mitarbeiter.
Führt man sich hierbei vor Augen, dass der Zugang zu einem Studium heutzutage mehr denn je einer breiten Basis ermöglich wird: Alleine in Deutschland hat sich die Anzahl der studierenden in den letzten sechs Jahren um eine Millionen auf 2,8 Millionen erhöht.
Und ganz ehrlich, wo findet man am ehesten Innovation und eine unvoreingenommen Sicht wenn nicht in dieser jungen, global denkenden Generation.
Abschließend zur Ihrer Frage ein ganz klares Ja.

Können eigentlich nur junge Menschen Start-ups gründen?
Nein, das Alter spielt hierbei keine Rolle. Zudem glaube ich, dass tagtäglich "Startups" von bestehenden Unternehmern/ Handwerksbetrieb etc. entstehen. Hier werden innovative Sachen in eigener Regie umgesetzt.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, wenn eine Idee ein Start-up werden soll (vor allem in finanzieller Hinsicht)?
Ein Start-up wird nicht von Beginn an Umsätze haben oder zumindest für eine absehbare Zeit keine Gewinne erzielen. Somit sollte für den Gründer oder das Gründerteam, ob aus eigenen oder Fremdmitteln, die eigene wirtschaftliche Existenz absichern. Nur wer hier seine Grundeinkommen realistisch absichert, kann befreit an dem Erfolg des Start-ups arbeiten.
Für das Unternehmen Start-up ist ein detaillierter Businessplan unabdingbar. Er hilft dabei, vergessene Aspekte aufzudecken, den Markt zu analysieren, seine Entwicklungs-, Marketing-, Management- und Vertriebsbudget in einem Finanzplan zu fassen.
Meine bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Gründer oftmals den finanziellen Spielraum für die Produktentwicklung bis zur Fertigstellung sehr gut im Griff haben, da dieser meist bei Gründung des Start-ups klar ist und man ihn im Vorfeld sichergestellt hat. Die große Problematik taucht erst beim Vertrieb des Produkts, also dem Marketing, auf. Hier wird zu klein geplant, und man bekommt seinen Umsatz nicht in Bewegung. Andersherum kann sehr schnelles Wachstum mit hohem Liquiditätsbedarf einhergehen. Auch hier werden die finanzielle Ressourcen oftmals zu knapp oder gar nicht geplant.
Kurzum, es gibt etliche Arten von Start-ups und somit Geschäfts- und Rentabilitätsmodelle. Die einen sind schnell umgesetzt, die anderen brauchen eine lange Vorlaufzeit, am langen Ende muss es jemand bezahlen, bis es sich durch Gewinne selbst trägt.

Wie verläuft die Entwicklung eines Start-ups? Wann ist ein Start-up kein Start-up mehr?
Die Geschäftsidee ist da und wird in einem Businessplan festgehalten. Man unterhält sich, holt sich Feedback, arbeite gegebenenfalls schon an dem Produkt. Der Kapitalbedarf wird greifbar und muss organisiert werden.
Die Unternehmensgründung leitet die Start-up-Phase offiziell ein und umfasst die Fertigstellung eines marktreifen Produkts und den anschließenden Rollout. Hierbei stehen die Gestaltung der Vertriebs- und Produktionsmöglichkeiten sowie die Umsetzung von Marketingkampagnen im Fokus.
Hiernach folgt die Wachstumsphase in der eine schnelle Marktdurchdringung durch Vertriebsaufbau im Vordergrund steht.
Als kein Start-up mehr würde ich es bezeichnen, wenn das Geschäftsmodell erfolgreich im Markt etabliert wurde und weiteres Wachstum oder ein Exit-Gedanke im Fokus stehen.